Der nächste schwächste Gegner oder Blackout bis zum Tor

Es war knapp. Verdammt knapp.

Ich war schon auf Stufe 2 von 3 im Gespräch mit der Sky-Hotline. Und wenige Sekunden nachdem ich den Receiver mit einem Komplett-Reset dazu bringen konnte, diese falsche Smartcard-Fehlermeldung einfach mal zu ignorieren und mir das Spiel meiner Bayern in Schalke zu zeigen, fiel das 1:0 durch Herrn Petersen.

Glück gehabt, liebe ostdeutsche Callcenter-Sky’erIn.

Egal.

Dann habe ich halt die ersten 20 Minuten dieses Spiels verpasst. Die relevanten Szenen konnte ich in der Zusammenfassung sehen. Ohnehin war der Auftritt meines FC Bayern in der königsblauen Ruhrgebietsmetropole mehr als beeindruckend. Einmal mehr.

Man wird – natürlich – in der Nachbetrachtung den bayerischen Gegner wieder klein schreiben, aber mir ist das inzwischen schnuppe, kann ich mich doch von Spiel zu Spiel mehr an unserem Spiel erfreuen.

Schalke hat – denke ich – alles gegeben, alles versucht. Bis der Tank in HZ2 leer war. Gereicht hat es nicht.

Phasenweise funktionierte der Bayern-Express wie eine gut geölte Maschine. Ein Rädchen griff ins andere, der Gegner lief chancenlos hinterher.

Phasenweise.

Andererseits habe ich heute in 70 Minuten auch einmal Schwächen gesehen. Die vom Gegner provoziert wurden. Bislang war mir dies seit dem Gladbach-Spiel fast schon fremd geworden.

Das Pressing der Schalker gefiel da sicherlich (also nicht mir, aber dem neutralen Beobachter). Dieses Pressing ließ unsere Abwehr und auch einige Offensivkräfte eine Ahnung davon bekommen, wie es in dieser Saison – irgendwann – einmal sein wird, unter Druck spielen zu müssen.

Unter Druck, der in der letzten Saison zu sicheren Gegentoren geführt hätte.

Da bin ich fast schon sprachlos, mit welcher Ruhe und gerade schon Eleganz die Herren Badstuber, Boateng, Lahm und Rafinha eine um die andere Situation entschärften. Im Vergleich zur letzten Saison. Und den einen oder anderen Schuss aufs Neuer’sche Tor mal außen vor gelassen.

Apropos Neuer.

Es hieß ja, diese Personalie wäre die meist-disktuierte Sache vor diesem Duell gewesen.

Hm. Nicht bei mir. Bei den sog. professionellen Journalisten vielleicht. Und bei einigen Schalker-Ultras.

Am Ende des Tages lief sowieso alles völlig normal ab. Es gab permanente Pfiffe und beleidigende Plakate von denen sich Herr Heldt vorm Sky-Mikro partout nicht distanzieren wollte. Na dann halt nicht.

Ich fand es aus Schalker Sicht ohnehin viel schlimmer, dass es den aktuellen Schalker Spielern nicht wirklich gelingen konnte, Herrn Neuer zumindest einmal derart zu fordern, dass dieser Paraden zeigten musste, für die sie ihn in Schalke mal geliebt haben. Das würde mir größere Sorgen bereiten.

An dieser Stelle bleibt den Knappen aber der Trost, den auch die Hamburger, Freiburger, Lauterer und wie sie alle inzwischen heißen: Es war der FC Bayern, gegen den Ihr verloren habt!

Ein FC Bayern, der wieder hungrig ist, der die Balance gefunden hat, der nach Jahren der Experimente endlich wieder zur alten und neuen Stärke gefunden hat.

Ich kann mich da nur wiederholen:

In diesen Tagen, in diesen Spielen, in diesem Moment der Saison, ist das Spiel der Bayern berauschend. Selbst wenn es kein berauschendes 7:0 wird.

Klar hatten die Schalker sich irgendwann aufgegeben.

Sicher spürte man dann doch irgendwann das Europa-League-Auswärtsspiel vom Donnerstag.

Aber was war das in der zweiten Halbzeit mal wieder für eine Dominanz? Wie schnell zirkulierte da der Ball in den eigenen Reihen? Wie oft gelang es Bayern-Spielern sich gegen zwei, drei oder vier Gegenspieler durchzusetzen?

Aber genug davon.

Jetzt erst einmal ein paar Tage Pause, keine englische Woche und dann am kommenden Samstag gegen Leverkusen nachlegen. Völlig egal ob mit Gegentor oder knapp. Einfach nur den Fahrtwind mitnehmen und solange siegen bis der Vorsprung für die Dreifachbelastung ausreicht. Ohne hinten heraus nervös werden zu müssen.

So wie der BVB 2010/11. Allerdings ohne sich nur auf die Bundesliga zu konzentrieren und von der halben Liga unterschätzt zu werden. Hach, jetzt habe ich doch wieder was über die Schwachgelben eingestreut, dabei haben die doch schon genug eigene Probleme… 😉

Was es noch zu sagen gibt?

Mir gefällt, wie DonJupp, offenbar mit wenigen Handgriffen und ein paar frischen, neuen Spieler, die sich perfekte Punktuell-Verpflichtungen herausstellen, aus dem Haufen der Vorsaison, ein so früh schon so gut funktionierendes Gebilde formen konnte.

Damit hätte ich im Leben nicht gerechnet.

Und Herr Reif hat Recht. Inzwischen hat der FC Bayern ein Luxusproblem. Ernsthaft darüber zu diskutieren, ob Arjen Robben nach seiner Rückkehr dieses Gebilde verstärkt oder zu einer Gefahr wird, weil er – wie z.B. inzwischen sogar die Herren Ribéry und Gomez – auch verstärkt defensiv mitarbeiten muss.

Tatsächlich sollten wir uns diese Frage stellen. Macht es das jetzige Team mit, wenn einer der – zugegeben – Künstler sich nicht in dieses Konzept einfügen würde? Oder wäre dies zu tolerieren?

Andererseits spielen die restlichen Spieler inzwischen ja selbst den Fußball, den man dem FC Bayern über zwei Jahre fast nur mit Herrn Robben auf dem Spielfeld zutraute.

Zukunftsprobleme.

Es ist Wiesn-Zeit. Wir sind nun endlich Tabellenführer mit Vorsprung. Der aktuelle Meister liegt nach sechs(!) Spieltagen ganze acht(!!) Punkte hinter uns. Müssen wir uns andere Gegner suchen?

Nein, denn der größte Gegner ist geblieben: Der FC Bayern selbst.

Nur wir können uns selbst im Weg stehen (wie fast jede Saison).

Mit der falschen Einstellung, mit Trägheit oder Zufriedenheit. Alles Gift für unseren Marsch auf den Berg unserer Ziele.

Bisher wurden wir in jedem Spiel eines Besseren belehrt – hoffen wir darauf, dass es so bleibt!

Auf geht’s, Ihr Roten!

P.S. Herr Petersen hat Potential, aber ein Gomez-Ersatz ist er (noch) nicht. Vielmehr in der Form von Herrn Gomez bei der Euro 2008.

P.P.S. Wer bislang noch nicht glaubte, dass Herr Ribéry wieder in der Form seiner ersten Saison ist, sollte sich das 1:0 mal etwas genauer anschauen. Ich sag nur Bremen.

Weisheiten #172

„Manuel ist ein Teil der Mannschaft und wenn das Team in die Kurve geht zum Feiern, wird Manuel mitkommen. Wir werden alles gemeinsam tun: gewinnen, wie auch in der Kabine sitzen und traurig sein, wenn wir verloren haben. Das zeichnet eine Mannschaft aus und das werden wir alle gemeinsam tun.“

Philipp Lahm, bald ein richtiger Kapitän.

Weisheiten #171

„Es gibt keine Verhaltensregeln außerhalb der Mannschaft. Es gibt Verhaltensregeln innerhalb der Mannschaft, an die sich Manuel wie jeder andere halten muss. Es ist vollkommen wurscht für uns, was eine kleine Gruppe sagt. Manuel ist Teil unserer Mannschaft, wir sind eine Mannschaft. Wer Manuel auspfeift, der steht nicht zum FC Bayern, nicht zu uns. Das heißen wir mit Sicherheit nicht gut.“

Philipp Lahm, auf dem Weg vom Kapitänchen zum Kapitän.

DerManu, die Ultras, ein Plakat und jede Menge Sommerloch

Eigentlich wollte ich über die bayerischen Ultras nicht mehr schreiben müssen.

Eigentlich sollte dieser Bericht auch einen ganz anderen Anstrich bekommen.

Eigentlich.

Und dann wurde von einer Unter-Unter-Gruppierung einer Ultra-Vereinigung im italienischen Trainingslager im Rahmen eines 15:0-Sommerkicks des FC Bayern ein Plakat enthüllt. Erneute Schmähungen gegenüber unserem neuen Torhüter. Gegenüber einem Bayern-Spieler. Seit 01.07.2011.

Ursprünglich wollte ich darüber schreiben, dass ich nicht glaube, dass der beschlossene Burgfrieden in der Wagenburg des FC Bayern halten wird. Etwas, dass sich unsere Führung offenbar so gar nicht vorstellen konnte. Obwohl man doch an diesem runden Tisch derlei „final geklärt“ hatte.

Tja. Fans halt. Und noch mehr Eitelkeiten. Meiner Meinung nach.

Ich werde hier weder Ross noch Reiter nennen, das haben andere längst gemacht, eine weitere Erwähnung auch auf meinem kleinen aber feinen Blog würde nur noch unnötig den Bekanntheitsgrad dieser – nicht am Runden Tisch sitzenden – Gruppierung erhöhen. Die Schickeria – zunächst und reflexartig verdächtigt – war es zumindest nicht. Vielmehr sind die inzwischen sogar auf Vereinslinie. Was man so hört.

Und Teile des Sportjournalismus, die an der Aufbauschung dieser „Story“ intensiv beteiligt waren, erwecken im Nachhinein den Eindruck, dass die auch selbstkritisch sein könn(t)en. Das hat mich beeindruckt. Irgendwo. Zumindest ist das mal ein Anfang.

Nach einem Tag des Schweigens reagierte der Verein. Abgesehen von der oben erwähnten Naivität (oder Unkenntnis der verworrenen Vielschichtigkeit der bayerischen Ultraszene), reagiert der Verein, wie ein Verein reagieren muss, wenn ein Spieler von den eigenen Fans derart angegangen wird. Diese „Fans“ sind ab sofort nicht mehr erwünscht. Nun denn.

Mir persönlich ist das alles leidlich egal. Klar ist es ein Thema und eigentlich geht das gar nicht, aber erstens ist Neuer Profi, der theoretisch jede Menge Schmerzensgeld für derlei Plakate erhält. Auch wenn es nicht die Regel ist, dass die eigenen Fans so was machen. Und zweitens wird diese „Strömung“ im Verein nach den ersten guten, sehr guten, oder herausragenden Spielen und den ersten definitiven Punktgewinnen durch Neuer mehr und mehr abebben. Viele, die Neuer ablehn(t)en, werden ihn nicht irgendwann lieben, derlei wird imho nie passieren, aber sie werden ihn mehr und mehr respektieren und tolerieren. Und das reicht mir, denn ich will einfach nur Ruhe im Verein. Wir haben genug Gegner „da draußen“, außerhalb der Wagenburg.

Ich muss mir hier also auch keinen Frust, keine Enttäuschung von der Seele schreiben, wie dies z.B. der geschätzte Zechbauer stellvertretend zitierte. Dafür ist mir das ganze einfach zu lächerlich. Echt jetzt. Neuer ist ein geiler Torhüter. Was er vor (und vielleicht nach) seiner Bayern-Zeit macht oder gemacht hat, geht mir am Allerwertesten vorbei, solange er während seiner Bayern-Zeit für uns alles gibt und uns und sich den maximalen Erfolg sichert. Die Beschimpfungen der sogenannten richtigen und echten Fans sind mir zwar ob dieser Meinung sicher, aber auch hierzu verweise ich auf mein Hinterteil.

Tatsächlich empfinde ich die Welt der Ultras – und deren Sympathisanten – bisweilen als amüsant. Ein Beispiel spielte sich gestern auf Twitter ab. Ein dortiger User, den ich schon vor Twitter kannte und der – abgesehen von der Neuer-Problematik – eigentlich ganz normal ist, hat hier, sagen wir mal, durchaus spezielle – Ultra – Ansichten.

Da ich seine Äußerungen internetweit nicht mehr lese, bekam ich sie erst durch einen Retweet eines anderen Users mit. Bis ich allerdings verstanden hatte, was er wiederum mit seinem Kommentar sagen wollte, gingen einige Tweets ins Land. Er fasste es dann noch einmal getrennt zusammen (ich gehe auf die 40 zu, ich brauche manchmal etwas länger).

Und da bin ich mehr als bei ihm. Wir erreichen hier eine der Logikgrenzen der Ultras.

Wieso darf die Südkurve, dürfen die Ultras, eine Gruppierung den Spieler Neuer zur unerwünschten Person erklären, der Vorstand dies im Umkehrschluss aber nicht mit den „Fans“ machen, die die eigenen Spieler beleidigen?

Für mich ist das – Entschuldigung – alles viel zu viel Kindergarten. Ich muss mir von niemanden mein Fan-Sein beurteilen und einschätzen lassen, sagen lassen, ob ich ein richtiger oder falscher Fan bin. Von daher muss ich mich auch nicht rechtfertigen, dass ich ein Leben, eine Familie, Frau, Kinder und einen Job habe. Mir fehlt einfach die Zeit für solche „Aktionen“.

Die unausgesprochenen Akteure haben offenbar – sagen wir mal – mehr Zeit. Meinen Glückwunsch. Mir fehlt sie und deshalb kann ich, will ich mich nicht mehr mit diesen Dingen beschäftigen. Ich will mich nur noch mit der neuen Saison und den besseren Perspektiven beschäftigen, will die „Wunden“ der letzten Saison und der letzten Experimente im Verein lecken.

Nicht mehr und nicht weniger.

Von daher war es das jetzt. Mit mir und diesen Ultras, Gruppierungen und sonstigen echten Fans. Blogtechnisch.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Der Manuel, der Liebling der Sommerpausen-Presse oder Willkommen beim FC Medien, Herr Neuer

In dieser Sauren-Gurken-Zeit (ist dieses Wortspiel eigentlich aktuell politisch korrekt?!) nimmt man als Fußball-Journalist was man kriegen kann.

Der Wechsel des Manuel N. aus G. kam da wie gerufen.

Dummerweise hatte ich in den letzten selbst anderes zu tun und deshalb konnte ich bislang keine eigene Zeile über unseren omnipräsenten neuen Torhüter zum Besten geben.

Von insgesamt drei Interviews habe ich in den letzten Tagen gelesen. Hier, hier und hier.

Ich will nicht alle Interviews vollständig sezieren, allein, die Themen Buerschenschaft, Ultras und Fans interessieren mich.

Zitat 1:

Sie haben lange auch auf dem Platz Ihre Liebe zum FC Schalke 04 dokumentiert, Fan-Shirts mit der Aufschrift „Buerschenschaft“ unter dem Trikot getragen. Damit dürfte es nun vorbei sein …

Das besagte Shirt trage ich schon seit 2009 nicht mehr, weil ich darin so viel geschwitzt habe, dass es mir zu schwer wurde. Die Buerschenschaft – das wissen viele gar nicht – hat außerdem nichts mit Schalke zu tun. Es ist einfach nur ein Freundeskreis, natürlich auch mit Schalkern. Buer ist ein Stadtteil und das Monaco von Gelsenkirchen (lacht).

Was hätten Sie als Schalke-Fan früher gedacht, wenn Ihr Idol zum FC Bayern gegangen wäre?

Es gab bei mir ja eine ähnliche Situation. Neben dem Holländer Edwin van der Sar war mein großes Vorbild Jens Lehmann. Der ist dann von Schalke nach Mailand und danach ausgerechnet nach Dortmund gegangen. Ich habe aber weiter zu ihm gestanden, seinen Weg verfolgt und mich an ihm orientiert. Ich war nicht glücklich über seine Vereinswechsel, aber ich habe ihn auch nicht gehasst dafür. Ich habe verstanden, dass er etwas Neues ausprobieren wollte.

…und weiter…

Teile der Bayern-Fans mögen Sie aber gar nicht.

Das ist sicher kein angenehmes Gefühl gewesen, als es vor ein paar Wochen hochgekocht ist. Aber es gibt auch viele Bayern-Fans, die sich auf mich freuen.

Wenn Sie am Saisonende die Schale in den Händen halten sollten, würde ohnehin keiner mehr pfeifen …

Das stimmt. Es liegt an mir und meiner Leistung. Ich werde alles dafür tun, um mit dem Verein und der Mannschaft erfolgreich zu sein. Und ich möchte sofort Deutscher Meister werden, ganz klar. Für mich zählt nur der maximale Erfolg. In allen Wettbewerben.

Sie haben bereits angekündigt, dass Sie mit den Fans ein offenes Gespräch suchen werden. Was möchten Sie den Fans mitteilen?

Ich möchte ihnen mal erklären, weshalb ich früher bei Schalke in der Fan-Kurve gestanden habe und warum es mich nun zu den Bayern gezogen hat. Mit 17 Jahren konnte ich ja nicht vorhersagen, dass ich sieben, acht Jahre später als Torwart der Nationalmannschaft zum besten Verein Deutschlands wechseln werde.

Zitat 2:

Haben Sie denn ein kleines bisschen Verständnis für die „Koan Neuer“-Fraktion?

Als ich bei Schalke war, hatte ich kein Problem damit. Mit solchen Reaktionen muss man als Profi umgehen können. Und im Gegensatz zu dem, was mir jedes Mal im Derby gegen Dortmund passiert ist, war das ja noch harmlos.

Was wollen Sie konkret tun, die derzeit noch skeptische Fraktion auf Ihre Seite zu ziehen?

Es ist ein runder Tisch geplant. Eine Art offenes Gespräch mit den Verantwortlichen einiger Fanklubs unter der Leitung des Fanbeauftragten Raimond Aumann. Ich denke, es ist wichtig, dass wir über die Geschichte reden und ich mich vielleicht einfach auch nur mal bei den Bayern-Fans vorstelle.

Haben Sie Ihren Eckfahnen-Jubel nach dem Sieg mit Schalke in München 2009 im Nachhinein mal bereut? Es war die Kopie eines Jubels von Oliver Kahn.

Was heißt bereut? Ich habe mir das damals vorher nicht groß überlegt. Das war eine spontane Sache. Das war keine Aktion gegen Bayern oder Oliver Kahn. Das war pure Freude. Und mal ehrlich: Ich habe da hinten als Torhüter fast nie einen, mit dem ich jubeln kann. Oder soll ich mir demnächst mal einen Balljungen schnappen? Ich wollte jedenfalls niemanden mit dieser Aktion verletzen.

…und weiter…

Berührt es Sie eigentlich, wenn Teile des Anhangs gegen Sie sind – so wie zuletzt auch bei Schalke?

Das berührt mich schon auf eine gewisse Art und Weise. Aber ich lasse das nicht all zu sehr an mich heran. Außerdem gibt es da schon Unterschiede. Letztlich sind Fans Menschen, die ich sehr schätze, zu denen ich aber privat keinen engen Bezug habe. Anders wäre es, wenn mich mein Bruder beispielsweise beleidigen und sagen würde: „Du Penner!“ Das würde mir weh tun.

Zitat 3:

Ihre Vergangenheit als Schalke-Fan wurde zuletzt vermutlich mehr thematisiert, als Ihnen lieb war.

Das kann man sagen.

Sie wurden von den Ultras des FC Bayern, zu dem Sie nun wechseln, als Schalke-Ultra beschimpft: Was bedeutet „Ultra“ eigentlich für Sie?

Ultra heißt „extrem“.

Ein extremer Fan?

Kann man so sagen. Bei mir muss man einfach meine Geschichte sehen: Ich komme ja nicht aus Gelsenkirchen, sondern aus Gelsenkirchen-Buer.

Darauf legen Sie Wert.

Ja, das ist das Monaco von Gelsenkirchen. Das glauben nur leider viele nicht, die nicht aus Buer stammen.

Und in Buer wird man quasi automatisch zum Ultra? Sie trugen ja auch als Profi lange ein Hemd mit der Aufschrift „Buerschenschaft“ unter Ihrem Trikot.

Die Buerschenschaft hat nichts mit dem Klub Schalke zu tun, das ist ein Freundeskreis mit vielen begeisterten Schalke-Fans. Wir sind immer gemeinsam zu Spielen gefahren. Das T-Shirt trage ich übrigens schon länger nicht mehr, ich hab darin zu sehr geschwitzt.

Trotzdem nehmen Ihnen radikale Bayern-Fans dieses Jugendkapitel übel.

Ich kann mit 16 Jahren doch nicht wissen, wie ich mich als Fußballer entwickle, ob ich mal Profi oder vielleicht sogar Nationalspieler werde.

Ob Sie also mal eine Entscheidung im Sinne der Karriere treffen müssen.

Genau. Ich kann als 16-Jähriger schlecht sagen: Ich höre jetzt auf, mich in die Fankurve zu stellen, weil in sieben oder acht Jahren vielleicht mal ein Vereinswechsel ansteht. Ich hätte all meine Freunde verloren, wenn ich mit 16 aufgehört hätte, Schalke-Fan zu sein.

Im Winter hat die Bundesliga noch heftig über Söldner diskutiert…

…und mir hat man meine jahrelange Treue zu Schalke vorgeworfen. Ich habe das schon als komisch empfunden.

…und weiter…

Sie mussten während dieser Debatte gleich zweimal in München spielen. Beim ersten Mal gab’s Koan-Neuer-Plakate und viele Pfiffe, beim zweiten wiederum wurden die Pfeifenden von wohlmeinenden Bayern-Fans ausgepfiffen. Bekommt man das als Spieler alles mit?

Viele Sportler reden ja immer vom Tunnelblick, und dass man nichts mitkriegt. Aber das stimmt nicht. Man kriegt alles mit, und ich erst recht.

Warum Sie erst recht?

Ich komm‘ ja aus der Kurve. Ich habe ein Auge für Banner und ein Ohr für Gesänge oder Rufe. Ich habe früher ja auch gerufen oder Banner hochgehalten, ich interessiere mich für das alles.

Haben diese Reaktionen Ihren Wechsel nach München gefährdet?

Die Reaktionen waren zu diesem Zeitpunkt kein Problem. Ich habe das Schalker Trikot getragen, als Kapitän. Wenn die Fans der anderen Mannschaft mich beleidigen, muss ich das ertragen, schlimm wäre es, wenn es aus der eigenen Familie kommt. Mit Bayern-Fanklubs planen wir bald mal einen runden Tisch, um sich besser kennenzulernen.

Eine Schalker Ultragruppe hat Ihnen die Mitgliedschaft entzogen. Verstehen Sie das? Wie würden Sie als junger Fan reagieren, wenn der Klubheld geht?

Ich habe das ja erlebt, bei Lehmann. Der ist nach Mailand gewechselt und ein Jahr später sogar nach Dortmund, da war ich 13. Ich habe ihn nicht gehasst dafür. Ich habe mich nicht davon abbringen lassen, dass er mein Idol ist.

So. Da ist natürlich viel Profi-Fußballer-Sprech dabei. Und die üblichen Verdächtigen, also einserseits die enttäuschten Schalker Fans, die im Hinterkopf auf eine Karriere-Ende von Neuer auf Schalke gehofft hatten und andererseits die Bayern-Fans, die wohl – aus Prinzip – niemals hinter Neuer stehen werden können, werden diese Worte ohnehin nicht ernst nehmen oder seine Meinung akzeptieren.

Ich bin nach seinen obigen Worten wieder ein wenig schlauer geworden. Über einige Hintergründe. Aber ich war ja ohnehin auch schon zuvor Pro-Neuer, weil ich ihn in erster Linie als Fußballer und nicht als Schalker oder Ex-Buerschenschaft’ler gesehen habe.

Auf den runden Tisch bin ich tatsächlich gespannt. Es ist die Rede von „Fanclubs“ mit denen man sich treffen will. Ok. Ich kann mir schon denken, was Schickeria und Co. darüber denken werden. Aber über kurz oder lang werden die Fans (auch aus dem harten Kern) die Oberhand gewinnen, die Kahn (nach Aumann), Effenberg, Jeremis und wie sie alle heißen, irgendwann – dank Ihrer Leistung – im Bayern-Trikot akzeptiert haben.

Ich bin schon mal dabei.

Niveau ist keine Creme oder Bekommt Ihr das auch ohne mich geregelt?

Es ist ein schwieriges Thema. Ich bin kein Mensch, der ständig rumrennt und sagt, dass früher alles besser war.

Genauso läuft das auch mit meinem Blog.

Früher hatte ich mehr Zeit. Zum Bloggen. Zum selber Kommentieren. Früher gab es aber auch wesentlich weniger Kommentierer.

Heute sieht die Sache anders aus. Ich komme weniger zum Bloggen, aber dafür ist die Anzahl derer gestiegen, die das konsumieren und kommentieren.

Heute bin ich froh, wenn ich den größten Teil dieser Interaktion überfliegen kann und grob mitbekomme, was auf meinem Blog so abgeht.

Viele Kommentierer kamen, viele blieben, andere kamen wieder.

Für mich ist jeder Leser ein guter Leser. Und ich bin immer noch kindlich fasziniert, wenn es „da draußen“ immer wieder Leute gibt, die sich für den Quatsch interessieren, den ich so von mir gebe.

Je größer meine Leserschaft über die Jahre wurde, desto vielfältiger wurde sie auch.

Ich sag‘ es mal so: 1.000 Leser sind 1.000 Charaktere. Und nicht immer kann man es allen recht machen. Zwar versucht man genau dies, aber irgendwann gibt man auf und macht einfach sein Ding. Reicht.

Ich habe meine Meinungen und Überzeugungen. Meinungen kann ich ändern, Überzeugungen zumeist nicht.

Oft hat es in den letzten sieben Jahren gerasselt, selten musste ich in Einzelfällen an meine Grenzen gehen und tatsächlich jemanden aus unserer Gemeinschaft ausschließen. Mir ist so etwas zuwider und ich suche zunächst immer erst den Dialog. In der Regel klappt es danach dann viel besser.

Aber kommen wir zum Punkt.

Immer wieder habe ich in den letzten Monaten von einzelnen Kommentierern gehört, dass das Niveau auf meinem Blog früher höher war. Nun denn. Das ist imho alles relativ. Ich achte prinzipiell nur auf gewisse Rahmenbedingungen und Grundvoraussetzungen im menschlichen und sprachlichen Umgang miteinander. Den Rest sollten wir doch alle untereinander klären können, oder?

Wir sind alle weitestgehend erwachsen und da sollte man wissen, was man so tut und welche Konsequenzen das hat.

Theoretisch.

Aktuell gibt es wieder einen Fall, der mir zumindest heute meine Mittagspause „versaut“ hat. Weil ich das Gespräch gesucht habe und eine entsprechende Antwort bekam. Soweit sind wir uns einig, dass wir überwiegend uneinig sind. Ist doch schon mal was.

Was ist aber nun mein Anliegen?

Ich will Euch – meine Leser – an dieser Stelle in eine Entscheidung miteinbeziehen. Wie wir hier auf Breitnigge.de miteinander umgehen wollen. Wo die Grenzen liegen und welche Konsequenzen eine Missachtung hat.

Hintergrund ist u.a. seine Ansicht, dass er halt so ist wie er ist und weder Lust hat mit anderen seine – ich sag‘ mal, sehr subjektiven – Äußerungen zu diskutieren, noch etwas an der Art seiner Kommentare zu ändern. Ich „solle ihn doch sperren, wenn es mich stört“.

Nun, mir ist Folgendes wichtig:

Allgemein:

Toleranz und Akzeptanz gegenüber Andersdenken sowie Selbstreflektionsfähigkeit, Bereitschaft zur kritischen Diskussion und bei allem nie den gewissen Schuss an Ironie zu vergessen.

Im Speziellen:

Breitnigge.de ist kein reines FC Bayern-Blog. Jeder Andersdenkende (außerhalb und innerhalb des FC Bayern (ja auch Ultras, insofern sie diskutieren wollen)) ist hier willkommen. Insofern er mit uns, mit mir diskutieren will. Will er nicht mit uns, mit mir diskutieren, dann ist das Vergnügen vielleicht doch ein wenig einseitig. Was schade ist, aber manche Dinge kann man halt nicht ändern. Am Ende ist es auch nur ein Weblog. Es gibt für jeden von uns – hoffentlich – noch andere, viel wichtigere Dinge.

Zurück zu meinem Anliegen.

Liege ich mit meinem Anspruch an ein gewisses Niveau völlig falsch? Sollte ich hier stattdessen alles laufen lassen, allenfalls die Diskussionen anstoßen und mich dann verpi**en? Auf Selbstreinigungskräfte setzen? Mhm.

Oder andersherum: Sollte ich hier tatsächlich restriktiver vorgehen und jegliche „schwarzen Schafe“ aussperren? Ein klinisch reines Diskussionsforum schaffen, wo mir alle nur nach dem Mund diskutieren?

Ich bin ein Freund der Mitte. Vor allem bei Lösungen. Extreme Ansichten radikalisieren. Auch und gerade im Fußball.

Eine erste Maßnahme ist mir vor dem Schreiben dieses Beitrags schon eingefallen. Ich werde mein Politifier-Plugin abschalten. Also das Plugin, dass hier eine gewisse Liste von „Unworten“, zumeist aus dem Fäkalbereich, automatisch aus-****t.

Denn – wie gesagt – wir sind alle größtenteils erwachsen, wir bekommen das auch so hin.

Oder?

Der ultra-bayerisch-runde Tisch

Ich bin ja mal gespannt. Wie das hier ausgeht.

„Wir planen einen Runden Tisch mit unseren Fans, da werden auch die Ultras dabei sein, mit Klubvertretern und dem einen oder anderen Spieler. In der Runde soll der ganze Verein repräsentiert sein. Am Ende sollten alle an diesem Tisch Rechte und Pflichten eingehen. Wir wollen das unaufgeregt diskutieren. Ich bin überzeugt, dass man eine Lösung finden kann. Und eines sollte im Sinne aller sein – wir wollen keine Eskalation wie in Frankfurt erleben. Sowas darf es bei Bayern nie geben, dass die Emotionen in Gewalt umschlagen. Wir wollen ein harmonischer und erfolgreicher Klub sein. Daran müssen alle interessiert sein.“

Ob Uli Hoeneß da auch dabei sein wird und das die „echten“ Ultras sein werden und was dann danach kommt und ob sich alle wieder lieb haben?

Persönlich finde ich es zumindest schon einmal gut, dass man überhaupt wieder miteinander redet und keine Pro- oder Contra-Aktionen im Stadion nach aussen trägt. Punkt.

Update: Es gibt Gerüchte, dass zu diesem runden Tisch „niemand der Kritiker aus Club 12/Schickeria eingeladen werden und wenn doch, dann handverlesen mit vorher von Aumann redigierten Fragen“. Man möge bitte Quellenangaben zu diesen Gerüchten nachliefern, dann wird dieser Beitrag auch kritischer werden.

Die Berg- und Talfahrt geht weiter bis zum Schluss

So spät war ich schon lange nicht mehr dran. Ist ja fast wie früher, als wir Fußballblogger noch unter uns waren und man frühestens am Montag mal entspannt daran dachte was zu denken. Und zu schreiben.

Vergangenheit.

Ebenso wie bald hoffentlich diese Saison.

Mich macht diese ewige Berg- und Talfahrt fertig.

Vor allem, weil man dann immer wieder Angst haben muss, dass nach einem fulminanten Spiel wie am Samstag gegen Schalke ein schrecklich erbärmlich Spiel in Hamburg beim dortigen FC St. Pauli folgen wird, folgen muss.

In den letzten Wochen war es immer so. Ob unter van Gaal oder eben unter dem Sportskameraden Jonker.

Nein, das war jetzt gemein. Prinzipiell gefällt mir das unter ihm schon besser als während des späten van Gaal.

Der Unterschied zwischen dem Remis in Frankfurt und den spektakulären Siegen gegen Leverkusen und Schalke sind einfach die frühen Tore. Oder etwa nicht?

3:1 nach 20 Minuten ist einfach mal ’ne Hausnummer. Und wären die Bayern bei den Daum-Kickern in der Anfangsphase ähnlich agil und zielstrebig gewesen, dann hätten wir uns die letzte Woche der Desillusionierung sparen können.

Sicher. Herr Robben stand mal wieder im Bayern-Trikot auf dem Platz.

Aber erstens fehlte er auch gegen Leverkusen und zweitens war in der zweiten Halbzeit da schon viel weniger Pracht.

Ich glaube auch für ihn wird es Zeit. Das wir die Saison abpfeifen und dann eine lange Sommerpause folgt. Echt jetzt.

Und obwohl ich eigentlich recht leer bin, will ich mich doch mal kurz zum Spiel und dem Drumherum auslassen.

Wie schon angedeutet ist geteiltes Leid, halbes Leid. Und so freute ich mich ja wie Bolle, dass gerade in dieser Phase unser Tweetpass anstand.

Sehr gut. Mal ohne Rücksicht auf Verluste beim Spiel mitgehen und ausflippen – das war schon nicht schlecht. Hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Und man twittert während eines Spiels gleich viel weniger…

Die Mit-Tweetpass-Ianer sahen das wohl ähnlich und so war der späte Nachmittag und Abend eine rundum runde Sache. Gerne wieder.

Gerne wieder (und vor allem in den letzten beiden Spielen der Saison) darf der eine oder andere Bayern-Akteur so agieren wie gegen die Königsblauen. Das hatte – vor allem in der ersten Halbzeit – schon etwas sehr bitteres im Nachgang. Von wegen, ach was wäre bloß möglich gewesen, wenn…

Egal. Geschichte. Man war ja selber schuld. Denn dass wir derlei im Tank haben, haben wir ja nicht nur einmal bewiesen, allein, wie haben es nie so richtig durchgezogen und dafür können wir auch niemanden anderen als uns selbst verantwortlich machen.

Bei den Münchnern musste man nach dem Spiel im Grunde fast jeden Akteur loben. Selbst Herrn Badstuber, der seine Nervosität später in den Griff bekam und selbst unseren holländischen Flügelflitzer, der im Gegenzug mehr und mehr Frische und Gefährlichkeit zu verlieren schien. In der Summe stimmte es und das war mehr als genug.

Am Ende gibt es dann – wie immer – die 1-Mio-Euro-Frage: War Bayern so stark oder Schalke so schwach? Antwort: Beides.

Auf Schalker Seite ragte – wie so oft – eigentlich nur Herr Neuer hervor. Nicht so eklatant wie unter der Woche gegen ManUtd. aber immerhin noch so sehr, dass man – als Neuer-im-Sommer-2011-im-Bayern-Trikot-Befürworter – seine wahre Freude an ihm haben konnte. Schon wieder.

Dem Tweetpass war es ein Fest jedes Gegentor und jede Parade mit jeweils einer Mio. Euro Ablösesumme gegenzurechnen…

Ebenfalls nicht – wenn in unserer Lokalität auch schwer zu verstehen – war die, zur Abwechslung auch mal hörbare Gegenbewegung im bayerischen Fanlager. Gegenwind für die Ultras, die Schickeria? Das ist das noch erleben darf. Bemerkenswert.

Aber das war bestimmt nur eine kleine (leider akustisch nicht ignorierbare) Minderheit, liebe Ultras, gelle?!

Ferner muss ich – entschuldigt Leute – schon ein wenig schmunzeln, wenn ich jetzt Kommentare von Ultra-Sympathisanten lese und höre, die sich über die „noch nie zuvor erlebte Aggressivität gegenüber den Neuer-Gegnern“ beklagen. Geradezu putzig, wenn man die „Gewalthistorie“ der Ultras der letzten Jahre (nicht nur bei uns) betrachtet…

All dies – so zumindest meine Hoffnung – wird sich in dieser Sommerpause und in diesem Herbst (insofern sich unter DonJupp dann was Neues entwickelt) auflösen. Also diese innere Unruhe im Verein. Klar, die Rädelsführer in Ultra-Fan-Kreisen werden sich niemals von ihrer Ideologie lösen, aber das müssen sie ja auch nicht. Niemand ist gezwungen, sich von Argumenten leiten zu lassen. Man kann all das auch auf Emotionen aufbauen. Ich bin wie immer in der Mitte.

Und aus diesem Grunde freue ich mich dieser Tage über die Gesamtsituation, selbst wenn ich noch ein leichtes Zucken verspüre, wenn ich an unsere Tal- und Bergfahrt denke. Aber inzwischen reicht uns ja ein Remis in Hamburg und ein Heimsieg gegen VfB. Wenn Hannover alles gewinnt. WENN.

Aber dieses Wort ist mir in dieser Saison zu sehr strapaziert worden. Vor allem beim FC Bayern. Von daher: Schluss damit.

Weniger Sprüche, mehr trainieren, Pauli putzen und sonst nix.

In diesem Sinne: Auf geht’s, Ihr Roten!

Manuel Neuer ab sofort kein Ultra mehr

Gerade las ich davon über Twitter.

Im aktuellen Blauen Brief (PDF) der Schalker Ultras äußern sich diese zum Abschied von Manuel Neuer (und nehmen einen Transfer zum FC Bayern vorweg).

[…] Einen Wechsel ins Ausland wäre von den meisten anders bewertet worden, aber nicht ein Wechsel zum FC Bayern, zum sportlichen Konkurrenten des S04. Er wird uns Punkte klauen, er wird gegen uns um Titel und Erfolge spielen. Nur er allein ist dafür verantwortlich was aus Richtung München nun wieder über Schalke abgelassen wird. […] Es steht vollkommen außer Frage, dass die Mitgliedschaft bei Ultras GE mit dieser Aktion erlischt, worüber wir ihn selbstverständlich informiert haben. […]

So weit zu den Dingen, die man jetzt nicht liest und völlig überrascht ist. Die Zeilen über ihren baldigen Ex-Keeper (denn so viel steht ja definitiv fest) enden aber mit einem bemerkenswerten Statement (Hervorhebungen von mir).

Was heute und in den nächsten Spielen auf den Rängen für Reaktionen erfolgen, werden wir nicht beeinflussen. Jeder Schalker muss für sich selbst entscheiden wie er diesen Wechsel und den Zeitpunkt der Bekanntgabe bewertet. Vergesst dabei nicht, dass unser Verein wichtiger ist als eine Personalie, unser Schalke wird weiterleben, weil wir dafür kämpfen, weil wir dafür leben!

Ob wir wohl jemals dergleichen Differenziertes aus dem Munde unserer Ultras hören werden?

P.S. Heute Abend werde ich mir seit langer Zeit mal wieder ein Nicht-FCB-CL-Spiel ansehen. Einfach so. Weil ich Neuer sehen will. Und wie er es allen zeigt. Denen. Uns.

P.P.S. Im Gegensatz zur Meinung der Schalker Ultras bin ich einer von den Bayern-Fans, die überhaupt nicht vorhaben irgendetwas bzgl. Neuer in Richtung Gelsenkirchen abzulassen.

Die hessische Bestie bleibt unbesiegt oder Nein, wir sind selber schuld

Spielberichte direkt nach Abpfiff sind so eine Sache bei mir. Gut, weil man sie dann aus dem Kopf hat. Schlecht, weil diese dann eher emotional gefärbt sind.

Nun. Es ist wie es ist. Ich bin wie immer spät dran. Andererseits ist das ja inzwischen regelmäßig so und Zeit zum Nachdenken hat man so auch noch. Gut.

Auf diese Weise sieht man das alles viel differenzierter.

Ich verzichte auf Tiraden gegen die Frankfurter Eintracht, auch wenn dieses Spiel ein Rückfall in längst vergangen geglaubte Zeiten war.

Ich verzichte darauf, dem Schiedsrichter die Schuld am Punktverlust und dem damit verbundenen Abrutschen auf Platz 4 zu geben.

Wozu auch? Es gibt klare Gründe dafür, dass wir da stehen, wo wir stehen und eben auch für das Remis gegen die Daum-Kicker.

Wir! Wir selbst sind der Grund dafür.

Was soll ich den Frankfurtern die Schuld dafür in die Schuhe schieben? Die freuen sich einen Ast ab, dass sie uns mit ihren limitierten Mitteln einen Punkt abtrotzten.

Wir sind dafür verantwortlich, dass wir es erstens zugelassen haben, dass Frankfurt in Führung gehen konnte und wir sind dafür verantwortlich, dass wir es nicht geschafft haben, dieses Spiel zu drehen.

Es brauchte einen Elfmeter, um in diesem Spiel ein Tor zu erzielen. Noch dazu einen Elfmeter, der von allen drei elfmeterreifen Situationen der diskussionswürdigste war. Das Handspiel zuvor war mehr Hand als vieles, was ich vorher diesbezüglich gesehen habe und auch das Foul zuvor konnte man als solches erkennen.

ABER was ist das inzwischen mit meinem FC Bayern, das wir uns an solchen Dingen hochziehen müssen?

Leute, wir sind der FC Bayern – warum belassen wir es nicht einfach dabei und spielen weiter auf Sieg, beziehungsweise laufen, rennen und beißen? Solange, bis wir diese notwendigen und von mir aus dreckigen Tore schießen?

Nein. Wir lamentieren. Und drehen Pirouetten im hessischen Strafraum. Anstatt einfach aus vollen Rohren da weiterzuballern, wo wir gegen Leverkusen aufgehört haben.

Herr Kroos – zum Beispiel – hatte seinen stärksten Auftritt nach dem Spiel. An den Mikros der Medien.

Er sprach von fehlendem Selbstvertrauen. Bei sich. Und wohl seinen Kollegen. Pfff.

Erstens. Weshalb darf überhaupt jemand wie Herr Kroos was sagen? Weil niemand anderes wollte? An seiner Leistung (in diesem Spiel und in der Saison) kann es nicht gelegen haben.

Zweitens. Was war dann bitte in letzter Woche los? Gegen Vizekusen? Alles nur Zufall?

Mich würde wirklich mal interessieren was hier während der Woche passiert ist oder weshalb wir (Bayern-)Fans in dieser Saison mit dieser Berg- und Talfahrt „gequält“ werden.

Dabei geht es mir gar nicht so sehr darum, dass wir hier mit einer ehemaligen grauen Maus wie Hannover um das Championsleague-Ticket kämpfen (müssen) und dass die ums Verrecken nicht abfallen wollen, nein, es geht mir darum, dass ich nach JEDEM Spiel, dass uns auf Platz 3 bringt, die gleichen verbalen Jubelorgien höre und nach JEDEM Spiel, dass uns wieder auf Platz 4 zurückfallen lässt das Pendant.

Das ist für mich zunehmend unerträglich, was die Herren Lahm und Co. da so in die Mikros ablassen.

Keine Ausreden mehr. Hieß es. Nach dem Rausschmiss van Gaals. Zum Saisonende. Und direkt.

Ein Spiel gegen Leverkusen, das Hoffnung auf mehr machte. Sogar ohne Herrn Robben.

Und dann in Frankfurt ein Fußball, der an übelste van Gaal – Zeiten erinnerte.

Obwohl, einen Unterschied gab und gibt es.

Die Defensive steht seit Jonker – meiner Meinung nach – stabiler. Und das ist schon einmal ein Fortschritt. Hört sich komisch an, vor allem, wenn man an die Chance von Herrn Gekas denkt. Aber was Lahm, Contento und vor allem van Buyten und Gustavo abliefern ist aller Ehren wert. Über weite Strecken des Spiels haben sie die meisten Angriffe der Hessen abgefangen und gaben so dem Spiel der Bayern von hinten Sicherheit.

Haben denn alle schon wieder vergessen, wie offen unsere innere Verteidigung noch vor Wochen war?

Wie auch immer. Unsere Defensive ist aktuell nicht (mehr) unser Problem. Es ist die Offensive. Und die Vorwärtsbewegung.

Von Hannover – unserem CL-Gegner – ist überliefert, dass deren Trainer das Umschalten von Defensive auf Offensive, sprich, die Konter, trainieren lässt. Herr Slomka steht daneben und misst die Zeit, die seine Spieler brauchen, um vor dem gegnerischen Tor zu stehen. Gefällt ihm die Zwischenzeit nicht, wird das noch einmal trainiert. Wieder und wieder.

So etwas kann man in München nicht trainieren? Wenn es doch bekannt ist, dass die grauen Mäuse der Liga mit derlei Taktik Erfolg haben?

War es gegen Leverkusen wirklich nur das frühe Eigentor, das unseren Schub beschleunigte und wenn das nicht fällt, stecken wir fest in unserem schlafmützigen System? Ich kann nicht behaupten, dass mir diese Perspektive für die letzten drei Spiele der Saison gefällt.

Ach stimmt ja, da ist ja Herr Robben wieder dabei. Unser Dosenöffner…

Prinzipiell will ich keinen Spieler persönlich angreifen, aufgefallen ist mir speziell ohnehin nur, dass Herr Müller vor dem Tor (wenn auch auf der Robben-Position so gut wie lange nicht) gerne noch ein wenig direkter und zielstrebiger sein kann und dass Herr Ribéry offenbar seinen defensiven Kampfeswillen schon wieder verloren hat. Helft mir mal bitte, aber hat irgendjemand nur einmal gesehen, dass er einem verlorenen Ball hinterhergelaufen wäre? Spielt da jemand schon wieder gegen den Trainer…?! 😉

Man kann es drehen und wenden, wie man will.

Wir liegen auf Platz 4 und spielen gegen einen virtuellen Gegner, der sich ausgerechnet auf der Zielgeraden der Saison in Topform präsentiert. Wer von beiden das schwerere Restprogramm hat, darf das Boulevard gerne ausschlachten. Ich persönlich befürchte, dass wir es schon schwer genug haben werden, überhaupt alle drei Spiele auch nur irgendwie zu gewinnen.

Zum Glück sind zwei von drei Spielen Heimspiele, ansonsten würde ich jetzt schon schwarz sehen.

Selbstverständlich könnte man all diesen Pessimismus einfach wegwischen, aber dafür ist der FC Bayern 2010/11 zu wankelmütig. Und ein CL-Qualifikationsplatz ist erst sicher, wenn die Schiedsrichter diese Saison zum Vergessen abpfeifen und wir vorne liegen. Keine Sekunde früher.

Dann halt jetzt gegen Schalke. Gegen Schalke! Nach und vor deren CL-Halbfinalspielen gegen ManUnited. Und mit einem Manuel Neuer. Einem Neuer, dem große Teile der Südkurve sicherlich mehr Aufmerksamkeit widmen werden, als der eigenen Mannschaft. Sind schließlich alles echte Fans.

Das von mir befürchtete Resultat könnte dem Ausgang des Pokalhalbfinales ähneln. Aber Hauptsache, unsere Ultras haben es Neuer und ihren Pendants aus Gelsenkirchen mal wieder so richtig gezeigt.

Nein, die aktuelle Gemengelage rund um den FC Bayern gefällt mir gar nicht.

Zum Glück bin ich mit meinem Leiden nicht alleine, da zum Gastspiel der Knappen der erste Tweetpass Cologne stattfinden wird. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

In diesem Sinne: Auf geht’s, Ihr Roten!